Krimiautor legt Erstlingswerk vor

Dirk Breitenbach schreibt über "schockierende Erlebnisse, die man selbst als Außenstehender fast nicht ertragen kann"

Krimiautor Dirk Breitenbach las vor rund 100 Zuhörern in der Stadtbibliothek Sankt Augustin. Fotos: A. Hauser

"Körperteile" ist Dirk Breitenbachs erster Krimi. Ein Buch mit Geschichten aus dem Umfeld und Alltag der Polizeibeamten im Rhein-Sieg-Kreis. Braucht spannender Lesestoff auch stets eine gute Portion Phantasie? Ja und nein, findet der ehemalige Polizeihauptkommissar, der sein Buch jüngst in der Kulturreihe Augustiner Mai in der Stadtbibliothek vorstellte.

Herr Breitenbach, "Körperteile" ist ihr erster Krimi. Warum schreiben sie eine Geschichte, die in der Region spielt?
Weil ich glaube, dass es wichtig ist, wenn sich der Leser mit den Schauplätzen identifizieren kann. Er kennt die Situation, hat sofort Bilder parat und ist plötzlich mittendrin in den Ereignissen. Es gibt mehrere Szenen in dem Buch, in denen der Leser ganz genau nachverfolgen kann, wo sich die Protagonisten gerade aufhalten. Vielleicht denkt er: "Ja, das kenne ich, da war ich auch schon einmal", oder "Mensch, das hätte ich nicht gedacht, dass so etwas gerade dort passiert". In dem Buch sind der Rhein-Sieg-Kreis und Bonn vertreten. Vom Drachenfels über den Rhein, das Windecker Ländchen, das Bergische Land und die großen Städte der Region. Jeder findet sich wieder.

Ihr Buch liefert tiefe Einblicke in den Polizeialltag. Inwiefern stimmen Buch und Wirklichkeit überein?
Ich habe versucht so nah an der Realität zu bleiben, wie es mir möglich war. Es gibt natürlich rechtliche Hindernisse wie Geheimhaltungspflichten oder Persönlichkeitsrechte, die mich ein wenig eingrenzen. Im Großen und Ganzen sind die Ereignisse, Örtlichkeiten und Personen zwar verfremdet aber authentisch. Wahrscheinlich macht gerade das den Reiz meines Buches aus. Der Leser, der bisher keine Einblicke hinter die Kulissen der Polizei hatte, wird fasziniert sein, welche Geschichten das "echte" Leben bereithält. Ich bekomme häufig von Lesern gespiegelt, wie überrascht sie von der Intensität meiner Geschichten sind und wie anders sie sich die Wirklichkeit vorgestellt haben. Die meisten von uns kennen Polizei nur entweder bruchstückhaft aus eigenem Erleben oder aus dem Fernsehen.

Sie schreiben aus der eigenen Perspektive und aus eigenen Erfahrungen. Was denken Sie, wenn Sie einen Fernsehkrimi sehen?
Leider stimmt die TV-Wirklichkeit nur selten mit der Realität überein und wer hat sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was ein Polizist in einer Situation fühlt, die ihn eventuell gerade an den Rand seiner Leistungsfähigkeit bringt. Auch das ist ein Aspekt meines Buches. Ich stelle ziemlich ungeschminkt dar, welche Gefühle, von Zorn bis absoluter Hilflosigkeit in einem Polizisten, meist unter der Oberfläche, versteckt sind. Im Grunde ist es auch eine kleine Nabelschau der Emotionen, ein Blick durchs Schlüsselloch. In meinem Buch versuche ich den Mix. Einerseits finden Sie spannende, witzige, skurrile, manchmal auch schockierend und mörderische Unterhaltung mit einem Hauch Erotik. Auf der anderen Seite ist es mir wichtig, die Seele der Protagonisten zu beleuchten.

Und da sind ja auch noch die Opfer...
Ja, und damit sind nicht nur die gemeint, die sichtbar körperliches Leid erfahren, sondern auch die, deren Seele geschunden wird. Ich möchte jetzt hier nicht zu viel verraten, aber wenn sich zum Ende meines Buches der Fall der Aufklärung nähert, lesen Sie von Schicksalen (in einer Grausamkeit), die man niemandem wünscht. Schockierende Erlebnisse, die man selbst als Außenstehender fast nicht ertragen kann, und doch schreibt sie das Leben jeden Tag neu.

Was ist Ihr nächstes Projekt?
Wenn mein Buch gut ankommt, würde mein Verlag gerne eine kleine Reihe ganz ähnlicher Bücher mit mir auflegen. Dafür habe ich schon verschiedene Ideen und kann es eigentlich kaum erwarten, wieder ins Papier zu steigen und die Tasten klappern zu lassen.
Aber jetzt freue ich mich erstmal auf die zukünftigen Lesungen, um mein Buch und mich als Autor bekannt zu machen. Lesungen finde ich total spannend. Sie sind ganz unmittelbar und ich kann sofort spüren, was die jeweilige Szene mit den Zuhörern macht. An welchen Stellen lachen oder schmunzeln sie, wo stockt ihnen der Atem? Das ist immer ein Risiko und macht auch verletzlich, da nicht wenig auch von mir und meinen Emotionen in dem Buch verarbeitet sind. Aber es ist auch spannend und festigt in mir die Hoffnung, dass dem Leser meine "Erstgeburt" gefällt.




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