Auch im neuen Festsaal herrscht Kölsch-Sperre

Viele Jecke bevorzugen den Klaaf an der Theke

Literat Udo Lambertz: "Mit Wein lassen sich höhere Margen generieren."

Typisch Prunksitzung: Auf der Bühne geht es Urkölsch zu. Kölner Künstler kalauern durch den Abend, Kölsche Bands singen es wird getanzt was das Zeug hält. Im Saal dagegen herrscht kölschfreie Zone und das gefällt längst nicht jedem. Udo Lambertz, Programm-Macher der Karnevalsgesellschaft Quer durch den Waat erklärt, warum das gar nicht so leicht zu ändern ist.

Herr Lambertz, wer Kölner oder Karnevalist ist, hält auch was aufs Kölsch. Warum wird das Nationalgetränk gerade im Sitzungskarneval von den Tischen im Saal verbannt?
Dies ist ein äußerst heikles Thema. Mehrere Faktoren sprechen zunächst gegen Kölsch im Saal. Unruhe durch höhere Kellner-Präsenz, Geklimper mit Gläsern, höhere Quote an Toilettengängern im Saal usw. Noch dazu ist es ein offenes Geheimnis, dass heutzutage der Sitzungskarneval mit professionellen Künstlern, nicht mehr alleine durch die Eintrittskarten finanziert werden kann. Und mit Wein lassen sich bekanntlich höhere Margen generieren, als mit Kölsch. Damit subventionieren wir nicht nur das Programm, sondern auch das Ganze drumherum wie z.B. Kellner, Technik, Nebenkosten der Halle, Reinigung der Halle etc.

Im Saal herrscht eine Art dynamische Bahnhofsatmosphäre, ganze Tischreihen bleiben unbesetzt. Glauben Sie, die Jecken blieben mit Kölsch in der Hand eher im Saal bei der Stange?
Nun sagen wir es mal so: Es würde das Rausgehen ins Foyer natürlich erschweren, denn man hat ja kein Alibi mehr, "... ich bin mal eben ein Kölsch trinken" gilt ja dann nicht mehr. Dennoch bin ich überzeugt, dass es selbst mit Kölsch im Saal nicht möglich wäre, alle Gäste über eine Zeit von fünf Stunden Sitzungsprogramm im Saal zu halten. Denn schließlich möchten unsere Gäste auch mal ein lockeres Schwätzchen halten, welches sich nicht zwingend auf den Tischnachbarn beschränkt. Rauchverbot im Saal, sowie die üblichen Toilettengänge tragen ebenso dazu bei, dass der Saal zu keiner Zeit restlos gefüllt sein kann.

Einige Kölner Sitzungen haben gezeigt, es kann funktionieren. Unter welchen Bedingungen ginge es im neuen Meiersheidesaal?
Grundsätzlich gibt es nichts, was nicht möglich wäre. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir unseren Gästen auf Kurz oder Lang das Kölsch im Saal nicht vorenthalten können. Auf einer Prunksitzung wären natürlich Pittermännchen im Saal völlig deplatziert. Das ist auf Herrensitzungen oder Mädchensitzungen kein Problem, würde jedoch den Charakter und die Athmosphäre einer Prunksitzung sehr stören. Normales Kölsch in 0,2 Liter-Gläsern mit Bedienung am Tisch ist logistisch nicht möglich. Dafür bräuchte man circa 30 Kellner für den großen Saal, um alle Gäste zeitnah und ordentlich bedienen zu können, was dann auch zu erhöhter Unruhe im Saal führen würde. Somit bleibt eigentlich nur im Saal der Ausschank von 0,4 Liter Kölsch, wie in Köln übrigens auch. So ein großes Glas ist zwar nach den ersten zwei Schlücken nicht mehr ganz so appetitlich anzusehen, aber immerhin - Kölsch!

Auch in der Meiersheide wird im Saal nur Wein und Antialkoholisches serviert. Da können Pendler ganz schön durcheinander geraten?
Oh ja ... das kann schon mal zu leichten Irritationen im Körper führen. Wein - Bier - Wein - Bier ... vielleicht auch noch mal andersrum ... da sag ich nur "Prost - Mahlzeit" und Aspirin Alaaf





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