Hilfsangebote sind gut, aber auch schwierig
"Ein Japaner verlässt seine Heimat nicht".
Bei ihrer Versammlung im Yuzawa-Weg gedachten
Anno-Schüler ihrer japanischen Freunde Foto:
Deutsch-Japanische Gesellschaft Siegburg
Weitere Artikel |
Ihr Beschluss: Sie bieten den Jugendlichen in der Partnerschule Yuzawa ein Domizil, falls sie angesichts der Katastrophe ihre Heimat verlassen müssen oder wollen. "Die Idee ist in Schülerköpfen geboren", bestätig der stellvertretende Schulleiter Michael Arndt die Aktion. Erst im vergangenen Herbst war eine Schülergruppe Japan besucht, schon lange besteht ein reger Austausch. Via eMail pflegen die Jugendlichen auch jetzt einen regen Austausch. Wegen der schwankenden Stromversorgung sei das in diesem Tagen zuweilen schwierig, oft stürzt die Leitung ab. Erstaunen löst die Gelassenheit auf der anderen Seite aus, von Panik keine Spur - "wie wir hören, ist es dort erstaunlich ruhig. In der vergangenen Woche legte die Schule eine Gedenkminute auf schuleigenen Juzawa-Weg, ein Akt des Mitgefühls, an dem nicht nur die Austauschschüler teilnahmen. Die Jugendlichen verbinden damit den Wunsch, Kraft, Hoffnung und Zuversicht auf den Weg zu ihren Freunden zu bringen und dokumentierten das mit Plakaten. In großen Lettern hatten sie Kanji-Zeichen darauf gemalt, es steht für Kraft. Für Claudia Bjelke-Holtermann kam die Aktion genau richtig. Die Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Siegburg durchsteht schwere Zeit. In den vergangenen Jahren sind viele Freundschaften entstanden, Tokio und die Bedrohung aus den Kernkraftwerken gehen ihr sehr nahe. Auch sie steht gerade jetzt im engen Kontakt mit Japanern vor Ort. Anfangs herrschte noch ein gewisse Unsicherheit, "sie verstanden gar nicht, warum wir uns so große Sorgen machen", erklärt sie die Gespräche. Das liege wohl an der Information durch die japanischen Medien, "sie wussten weniger als wir." Mit der Entspanntheit ist jetzt vorbei, "so langsam wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich." An Hilfsangeboten mangelt es aus ihrer Sicht in der Kreisstadt nicht, "es haben sogar schon viele gemeldet, die ganze Familien unterbringen wollen." Doch ob die japanischen Partner wirklich nach Siegburg kommen
ist ungewiss. Zusagen gibt es keine, "ein Japaner verlässt
sein Land nicht, das ist ein fester Bestandteil ihres Kultur- und
Heimatbegriffs." Hinzu kommt: Mit der atomaren Bedrohung erreichen
die Preise für Flugtickets astronomische Höhen von bis zu
7.000 Euro. "Das ist Wucher", ärgert sich Bjelke-Holtermann,
"das kann nicht an gestiegenen Kerosinpreisen liegen." Sie
wünscht sich inständig, dass zuerst drei schwangere
Frauen aus der Taiko-Trommelgruppe nach Deutschland kommen.
|
