Kamelle, Krise und kein Prinzenpaar?
Suche nach Regenten der fünften Jahreszeit immer schwieriger
In letzter Minute gerettet: Beim Rosenmontagszug
in der Kreisstadt dürfen die Jecken ihren Regenten
zujubeln.
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Diesmal waren dem Festkomiteepräsidenten die Auserkorenen in letzter Minute von der Schippe gesprungen. Und das ausgerechnet im 150-jährigen Komitee-Jubiläum. "Wir sind klar", meldet er jetzt erleichtert, seit dem "Ja"-Wort kann er wieder ruhig schlafen. "Es sieht gar nicht schlecht aus", hatte der Chef des Siegburger Karnevals wenige Tage zuvor gemeldet, gleichzeitig aber eingestanden: "Wenn es jetzt nicht klappt, weiß ich nicht was werden soll." Auftritte ohne Prinzenpaar? Womöglich mit Pappkameraden? Der offene Umgang mit der Krise im Jeckenland hat sich gelohnt, der besondere Jubel des Volkes dürfte den Rettern des Siegburger Karnevals sicher sein. Die "Neuen" hatte Krengel schon länger im Visier, und sie an einem Abend im Oktober besucht. "Sie" habe sofort begeistert zugesagt, der Partner wollte noch eine Nacht darüber schlafen. "Er" und "sie", das sind noch unbekannte Gestalten, denn ihre Namen bleiben bis zur Proklamation am 5. November ein wohl gehütetes Geheimnis. Was machte die Suche so schwer? Angesichts der Kosten von rund 15.000 Euro vergeht so manchem der Spaß am höchsten Narrenthron. Gleichwohl ist der finanzielle Aufwand, den das Paar aus eigener Tasche berappen muss, nicht einmal der Hauptgrund für eine Absage an die Narrenkappe. Vielmehr liegt der Grund in der Uneinigkeit: Oft seien die Partner sich nicht einig. Will sie, will er nicht. Will er, will sie nicht - so hat das Günter Krengel in den vergangenen Jahren ausgemacht. Hinzu kommen der Zeitfaktor, Berufstätige müssen zuweilen ein paar Tage Urlaub nehmen. Die Notwendigkeit entfällt diesmal, denn die Session ist ungewöhnlich lang und die Narrenjobs seien erst nach 18 Uhr anberaumt, ausgenommen ist die Karnevalswoche "bis dahin können unsere Regenten ganz normal arbeiten." Überlegungen, die Dinge zu ändern gab es durchaus. "Ausnahmsweise" und "wegen des 150-jährigen Jubiläums liebäugelten die Macher des Siegburger Karnevals mit einem Dreigestirn. Die Kosten werden dann durch drei geteilt, keine schlechte Überlegung. Doch das verwirft das Brauchtum, kommt daher für die Kreisstädter am Ende nicht in Frage. Krengel lehnt ab, "hoffentlich nicht zu meiner Zeit. Man kann alte Zöpfe abschneiden und modernisieren. Aber das Brauchtum darf nicht sterben" Ganz anders sehen das die Mucher, "Quatsch, wieso sollte dabei Brauchtum flöten gehen?" Der Mucher Karnevalsverein pflegt einen liberalen Umgang damit, "wir haben das freigestellt", erklärt Andreas Weber. Er ist Sitzungspräsident und Vorsitzender im Mucher Karnevalsverein und tollitätenmäßig für dieses Jahr durch: Am 11. November wird ein Dreigestirn auf dem Rewe-Parkplatz proklamiert, "mit Spaß an der Freud!". Vor zwei Jahren war das ein Prinzenpaar, "Hauptsache es ist jemand da, der die Rolle mit Herz und Verstand ausfüllt." Aber auch Weber hat es zunehmend schwerer. Er macht den Job seit 15 Jahren,. "Zeit und Geld sind die Knackpunkte", sagt er. Selbst in der kleinen Gemeinde kostet die Rolle zwischen 3.500 und 5.000 Euro pro Person. In Siegburg kann sich derweil Krengel zurücklehnen. Im
nächsten Jahr feiern die Fidelen Deichhäuserinnen ihr
44stes Wiegenfest - und stellen daher das Prinzenpaar, "das haben
wir fest."
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