MusicAl Dente trifft Zeitgeist
"Mit soviel Resonanz haben wir nicht
gerechnet": Chorleiter Wilma und Wolfgang Harth
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Dieses Lied singen viele: Seit Jahren werben Chöre
in der Region lautstark um Nachwuchs, doch der ist nur schwer zu
bekommen. Dass es auch gelingen kann, zeigt das Projekt
"MusicAl Dente" des Stadtverbands Hennefer Chöre im
Rhein-Sieg-Kreis.
Jeden Montagabend dringen aus dem Probenraum im Hennefer Euro Park Hotel seltsame Geräusche. Doch was sich anhört wie kollektives Schnauben und Gurren ist nicht etwa Blödsinn. Vielmehr widmet sich eine muntere Truppe von Erwachsenen und Jugendlichen einer ernsthaften Stimmbildungsübung: Auf Kommando atmen sie ein, um die Luft langsam und in einem gleichmäßigen Strom, wieder hinaus zu lassen. Dabei "flattern" die Lippen, was "seltsame Geräusche" erklärt. "Wenn die Nase juckt", sagt Wilma Harth, "habt ihr alles richtig gemacht." Gemeinsam mit Ehemann Wolfgang Harth hatte sie Ende des vergangenen Jahres das Chorprojekt "MusicAl Dente" aus der Taufe gehoben. Die beiden leiten es seither und sind von der Entwicklung begeistert, "das sprengt alles." Dabei sei Musicals singen "alles andere als leicht." Das Paar muss es wissen. Wilma Harth ist ausgebildete
Mezzosopranistin und Stimmbildnern und arbeitet als Gesangscoach in
Schulen und ihrer privaten Gesangswerkstatt. Chorleiter und
Musikpädagoge Wolfgang Hardt ist seit 30 Jahren in der
Chorszene unterwegs. Seit November vergangenen Jahres ist er
Kreischorleiter und als solcher verantwortlich für rund 130
Chöre in der Region. Zudem leitet Harth den Marienchor und den
Kirchenchor Bödingen, die Chorgemeinschaft Allner-Bröl,
den Gemischten Chor Eitorf - Harmonie sowie die Junge Singfonie
Hennef.
Überhaupt gehört Stimmbildung zu den wichtigsten Bausteinen im Konzept. Denn wer singen will muss schließlich wissen, was man mit seinen Stimmbändern, aber auch mit Zwerchfell, Gaumen und Lippen so alles anstellen kann. Mit derlei Kenntnissen über das körpereigene Instrumentarium kamen allerdings die wenigsten, als "MusicAl Dente" an den Start ging. Drei Stücke stehen seit Januar auf dem Programm; nach nur wenigen Proben sangen die mehrheitlich musikalischen Neulinge sie bereits vierstimmig. Begeistert zeigt sich Chorleiter Wolfgang Harth von der, wie er selbst sagt, "rasanten Entwicklung." Er ist sicher einen Chor vor sich zu haben, "der scheinbar über alle Dimensionen wächst." Und das sei sowohl musikalisch als auch mit Blick auf die Mitgliederstärke zu sehen. Grund für die Euphorie: Der neue Chor ist mit derzeit 94 Mitgliedern nicht nur der Größte seiner Art in der Region, sondern auch der erste gemischte Chor im Stadtverband Hennefer Chöre und als solcher sein jüngster Sproß. Den Anstoß für die Gründung hatte das Chorfestival zum Mauerfall geliefert. Reine Frauen- und Männerchöre hatten in der vollbesetzten Realschulaula brillieren können, einen gemischten Chor gab es in den Reihen des Stadtverbandes bis dahin nicht. Einen Volltreffer landete der zweite Schritt: Mehr als 130 gesangfreudige Interessenten waren im November zu einer ersten Informationsveranstaltung in der Meys Fabrik gekommen, fast ebenso viele zählten die Initiatoren bei der ersten Probe. MusicAl Dente lockt offenbar alle Altersstufen, freuen sich Wilma und Wolfgang Harth. Das Ehepaar entwickelte das eigenwillige Konzept, das ausschließlich moderne Genres vorsieht, dazu viel Bewegung durch kleine Choreografien und, anders als bei klassischen Vereinsstrukturen, als offenes Angebot für alle Altersstufen funktioniert. Die beiden unterrichten gemeinsam, erst Stimmbildung, dann folgt die Arbeit an den Hits aus Rock-, Pop, Musical oder Gospel. Die Idee geht offensichtlich auf: So sind die Jüngsten gerade einmal 17 Jahre alt, die ältesten Mitte 60. Der Strom der Neugierigen und Interessenten reißt auch fünf Monate nach dem Start nicht ab, immer wieder sind neue Gesichter dabei. Für die jüngsten Neuzugänge hatte Altistin Elena Jogwer ganz offensiv gesorgt und in der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums in Bonn-Pützchen neun Mitschülerinnen gewinnen können. Für den musikalischen Leiter ist das eine kleine Sensation: Alle Mädchen lieferten im Anschluss an die erste Probe ihre Beitrittserklärung ab. Harth ist platt: "Das habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt." "Music brings us together", heißt bezeichnend das
erste Stück, dem sich die musikalischen Neulinge nähern.
Akribisch ("ihr braucht keine Angst zu haben, dass ich etwas
nicht höre") arbeiten die Chorleiter an jeder Strophe.
Bässe, Tenöre, Alt und Sopran wiederholen mal gemeinsam,
mal jede Stimmgruppe für sich. Bis die Ballade "Killing
me softly" mit Hingabe und der Abba-Welterfolg "Mamma
mia" mit Schmackes, vor allem textsicher und auswendig sitzen,
darf noch fleißig geprobt werden. Schließlich gibt es
auch Pläne. Beim Kreischorfestival am 26. September steht
MusicAl Dente in der Hennefer Kopernikus-Aula auf der Bühne.
Zum ersten Mal. Fest steht: Ein Lippenflattern wird es nicht geben,
das übernehmen sicher die Nerven.
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